Interview des Monats:
12/2004 mit Marta Jandova (Gesang)
Das Interview wurde mit Marta am 29.12.2004 vor dem Konzert im Braunschweiger Jolly Joker geführt.

Die Fragen wurden von Die Happy Fans gestellt:

Fühlst du dich momentan in deiner Haut wohl?
Ich fühle mich sehr wohl in meiner Haut. Ich bin froh „Ich“ zu sein. („Warum“) Weil ich momentan ein glücklicher Mensch bin, ich bin glücklich verliebt, habe tolle Freunde, wir haben eine erfolgreiche Tour und auch noch Weihnachten, es ist alles schön.

Womit könnte man Dir eine richtige Freude machen?
Wenn der Winter vorbei wäre, das wäre toll. Ich mag den Winter zwar auch, aber nur in den Bergen, wenn man Ski oder Snowboard fahren kann. Ich bin ein absoluter Sonnenmensch.

Was macht Die Happy zu etwas ganz Besonderem?
Das wir uns alles, was wir haben, erspielt haben. Wir haben die treuesten Fans der Welt. Wir konstruieren keine Lieder nach irgendwelchen Trends (nennt einige Beipsiele z.B. wie Evanescence, The Rasmus), sondern machen die Musik, die uns gefällt, die uns bewegt.

Welche Bedeutung hat die Happy für dich?
FAMILIE!!! Ich habe viel Spaß damit, habe dadurch vieles gelernt, auch im Umgang miteinander. Habe gelernt toleranter zu sein.

Aktuelles Beispiel: Guano Apes: Kann euch so etwas auch passieren?
Nein, das kann uns nicht passieren, weil wir gelernt haben miteinander umzugehen, in jeglicher Situation. Was sehr wichtig ist, dass jeder sich aus der Band ein Viertel herausnimmt und nicht mehr, dass man gemeinsam für eine Sache arbeitet. Wir haben alle sehr viel Spaß daran, was wir machen.
Manche von uns sind fauler, was zum Beispiel emails angeht, manchen machen vielmehr das… Ich mache die meisten der Interviews. Jeder hat so seine Aufgabenwelt und deswegen wird auch das ganze Geld, das wir verdienen, egal ob ich den Text geschrieben oder die Jungs die Musik geschrieben haben, durch vier geteilt. Da kann dann auch kein Streit entstehen, weil jeder weiß, dass alle das gleiche verdienen. Denn ich glaube, dass bei Leuten, die auseinander gehen, Geld das größte Problem ist, weil man immer mehr und mehr haben will. Bei einer solchen Regelung, die wir ganz am Anfang getroffen haben, jeder bekommt 25 % ist es klar gesetzt und nichts kann passieren.

Welche drei Wünsche hast du für die Zukunft?
1. Ich will gesund alt werden. Habe Angst vor bösen Krankheiten, wie z.B. Krebs.
2. Ich möchte glücklich verliebt alt werden und natürlich auch von anderen geliebt werde.
3. Dass wir mit der Band weiterhin glücklich sind, vielleicht noch glücklicher und dass wir damit weiter Geld verdienen können und die Band nicht aufgeben müssen, mangels Erfolg.

Wie wichtig ist für dich mit Die Happy Erfolg zu haben?
Natürlich ist es sehr wichtig. Erfolg ist ein Feedback, ob du das, was du machst, richtig machst. Wir sind kein Popsternchen oder eine gecastete Band, sondern uns gibt es jetzt schon seit 11 Jahren. Deshalb ist für uns Erfolg ein Maß dafür, ob sich die Leute mit unserer Musik identifizieren. Ich versuche die Leute mit meinen Texten zu bewegen und wenn sich die Leute angesprochen fühlen, habe ich dadurch auch Erfolg. Erfolg ist deshalb nicht immer nur kommerziell zu sehen.

Ist dir ein kommerzieller Erfolg wichtig?
Natürlich würde ich auch gerne mehr Platten verkaufen, denn je mehr Platten wir verkaufen, desto mehr Leute hören unsere Musik und können sich mit unserer Musik identifizieren. Es wäre schön, ich sehe da nicht unbedingt fette Häuser oder fette Autos, ich bin mit sehr wenig zufrieden. Es ist doch toll eine goldene Platte zu bekommen und Leute auf den Konzerten zu haben, die deine Texte auswendig können. Das ist das Schönste auf der Welt.

Wie würdest du dich selbst charakterisieren? Was sind deine Stärken und Schwächen?
Meine Stärken sind: ich bin sehr optimistisch, bin sehr enthusiastisch und spontan, ich mach fast jeden Scheiß mit außer zu viele Partys auf Tour. Das ist die einzige Sache, bei der ich wirklich konsequent bin.
Meine Schwächen: Ich bin oft faul, ich mag es Auszeiten zu nehmen, ich bin wie auch andere meiner Gesangkollegen etwas kritikunfähig. Mit konstruktiver Kritik kann ich gut umgehen, wenn sie mir jemand „normal“ sagt. Es kommt bei mir sehr darauf an, wie es jemand zu mir sagt. Viele sagen, ich wäre zu gutgläubig (manche sehen das aber auch als Stärke von mir). Thorsten sagt immer: „Marta, du bist zu gut für diese Welt“. Wenn ich in der Stadt beispielsweise an einem Bettler vorbei gehe, fällt es mir immer schwer, ihm nichts zu geben, obwohl ich weiß, dass viele es für Alkohol oder ähnliches ausgeben (natürlich nicht alle). Ich würde gerne weniger darauf geben, was böse Leute ins Gästebuch schreiben und mich beleidigen. Das tut immer noch weh. Deshalb wünsche ich mir manchmal mehr ein „Arschloch“ zu sein und dann sagen aber alle meine Freunde, sei froh, dass du so bist. Es tut zwar ab und zu weh, aber dafür lieben wir dich.

Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest, was würdest du in deinem Leben anders machen?
Ich würde gern die Zeit 14 Jahre zurück drehen und den heutigen Stand der Krebsforschung dorthin mit zurück nehmen, da hätte ich Teile meiner Familie retten können. Sonst bereue ich gar nichts!

Lassen euch (Sasha und dich) die Medien mittlerweile in Ruhe oder gibt es Paparazzi?
Paparazzi gibt es nicht. Wir sind nie zusammen in der Öffentlichkeit. Wir waren es einmal, dann waren die Zeitung voll davon. Ich habe herzlich gelacht über die Geschichten, die darunter standen. Man liest Sachen, die man niemals im Leben gesagt hat, das finden wir mittlerweile eher witzig. Natürlich gehen wir zusammen ins Kino oder in die Stadt, aber wir meiden den roten Teppich oder irgendwelche Promipartys. Wir mögen das auch nicht, vor Fotografen zu posen, vielleicht ändert sich das irgendwann einmal, wenn wir etwas länger zusammen sind und das Ganze etwas cooler sehen. Wir sind beide keine großen Promipartygänger, sondern ziehen kleine Partys mit guten Freunden bei einem Gläschen Wein, diesen Megapartys vor. Natürlich würde ich mir eine Echoparty niemals entgehen lassen, weil da ja viele Kollegen sind.

Ist ein Duett mit Sasha geplant?
Nein! Ok, sag niemals nie, vielleicht würden wir es eines Tages mal machen, aber momentan nicht.

Wie sieht´s mit deiner Familienplanung aus? Denkst du an Kinder?
Momentan ist da noch nichts geplant, da sind wir viel zu kurz zusammen. Obwohl wir schon alt genug wären, hat sich uns die Frage nach Kindern noch nicht gestellt. Das hat auch nicht unbedingt mit der Karriere zu tun, sondern wir fühlen uns einfach noch nicht reif genug. Ich wünsche mir zwar Kinder, aber ich glaube, ich käme mit dem Stress noch nicht zu Recht. Dazu genieße ich meine Freiheit momentan viel zu sehr. Ich habe einen Freund, der im selben Beruf arbeitet, wir haben relativ viel Zeit füreinander, reisen viel. Das alles aufzugeben, fände ich momentan sehr schade.

Hat Dich eigentlich noch niemand für die Werbung entdeckt? Könntest du dir vorstellen in einem Film mit zu spielen?
(lacht) Könnte ich mir vorstellen, aber ich glaube, dass ich eine bessere Sängerin als eine Schauspielerin wäre. Mit 10 Jahren spielte ich ja schon in einem Film mit. Das war aber bisher auch der Einzigste. Ich finde es aber auch sehr anstrengend, da müsste ich schon viel Unterricht nehmen. Vor Freunden klappt das ganz gut, aber da gehört schon etwas mehr davon. Vor allem braucht man da Erfahrung und Talent. Und ich glaube ein solches Naturtalent bin ich nicht.

Was magst du, wenn ihr auf Tour seid? Was fehlt dir /stört dich?
Ich fange mal mit den nervigen Dingen an, denn das ist nicht so viel. Das Doofe an einer Tour ist das Warten. Man wacht morgens im Nigthliner auf und sitzt den ganzen Tag im Club. Man wartet auf das Essen, man wartet auf den Soundcheck, man wartet auf das Konzert … Deshalb gehe ich gerne in die Stadt.
Früher hat mich das Leben aus dem Koffer gestört, aber daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Jetzt das Positive: Immer wenn man auf der Bühne steht, weiß man, warum man gewartet hat. Was mir auf jeden Fall auf Tour fehlt ist mein Freund, meine Familie und meine Freunde. Sonst ist auf Tour alles toll!!!

Welche Eigenschaften magst du an fremden Leuten?
Ich weiß nicht warum, komischerweise sage ich immer, was ich nicht mag. Ich mag fremde Menschen nicht, wenn sie zu frech sind, wenn sie zu sehr von sich überzeugt sind, wenn sie nicht wissen, wann es mit Reden genug ist. Ich mag keine Leute, die sich ständig in den Mittelpunkt stellen.
Was ich an fremden Leuten mag, wenn sie freundlich und natürlich sind.

Vermisst du deine Heimat? Worin liegen die größten Unterschiede zwischen Deutschland und der Tschechei?
Ich vermisse meine Heimat schon, immer wenn ich zu meinem Vater über die Grenze fahre, finde ich es toll. Ich bin kein Nationalist, aber bin trotzdem stolz eine Tschechin zu sein. Ich liebe meine Heimat, finde Prag ganz toll, bin dort aufgewachsen, habe dort Freunde, die ich schon ewig kenne, habe dort natürlich meine Familie. Durch meinen Vater kenne ich fast alle aus dem Musikbuisness und immer wenn ich da auf eine Party gehe, wo die High Society ist, dann stört es mich schon etwas, weil da viele Leute sind, die sich in den Mittelpunkt stellen wollen. Dann kommen die Zeitungen dazu, fotografieren dich und andere Leute sagen zu deinem Foto wie du angezogen bist, ob du cool bist oder nicht cool bist. Und das stört mich. Vor allem, was sie über mich und Sasha geschrieben haben, das war teilweise unerhört und das nervt. Das ist schlimmer wie in Deutschland. Laut den tschechischen Zeitungen war ich schon schwanger und habe Sasha geheiratet, das war auf der Titelseite und ich habe mit keinem einzigen Journalisten gesprochen, die ziehen sich Sachen aus den Fingern. Was da über meine Familie geschrieben wurde, das ist unerhört. Das sind die negativen Seiten, aber ich liebe es in meiner Heimat zu sein.
Die größten Unterschiede zwischen Deutschland und Tschechien ist wohl, dass es meinen Landsleuten finanziell doch nicht so gut geht. Eine meiner besten Freundin hat vor kurzem geheiratet und hat ein kleines Kind und kann sich nur eine 40 m²; große Wohnung leisten, wo sie zusammen mit ihrem Kind in einem Zimmer schlafen muss. In deren Bad ist eine kleine Dusche und ein Waschbecken. In Deutschland können sich 18-jährige eine 60 m²; große Wohnung leisten und wenn sie heiraten, dann noch größer. Keiner kann sich ein Auto leisten, teilweise auch keinen Führerschein. Das finde ich schade.
Vor kurzem hat jemand gesagt, die Tschechen hätten so eine Mentalität wie die Südländer. Sie sind sehr gastfreundlich und fröhlich. Ich denke, das kommt auch noch etwas vom Kommunismus, wo sich viele keine Sorgen um ihren Job machen mussten. Also ich glaube, dass die Gastfreundlichkeit etwas besser ist als in Deutschland. Sie haben weniger Stock im Arsch als die Deutschen, aber ich glaube, das wird sich auch ändern. Denn auch die Leute in der Tschechei müssen schauen, wo sie ihr Geld herbekommen, wenn sie schlecht im Job sind, dann fliegen sie. Das finde ich aber andererseits auch wieder gut, denn man sollte für sein Geld auch etwas tun. Ich kann Leute nicht ausstehen, die keinen Bock haben zu arbeiten, die im Kommunismus gewohnt waren, die Füße hoch zu legen und dennoch ihr Geld kassieren und jetzt schreien sie, wir wollen wieder zum Kommunismus zurück, weil wir da nicht arbeiten müssen. Da hat sich schon einiges verändert!!!
Auf welche Erfahrung mit DH hättest du gerne verzichtet?
Wenn man jemand entlassen muss. Als wir den Plattenvertrag bekamen und teilweise davor schon, mussten wir uns von einigen Musikern verabschieden. Zum Glück musste ich das nie machen, das macht immer Thorsten, das ist seine schlimme Aufgabe, denn ich tue Leute sehr ungern weh, aber manchmal muss man das leider tun, um weiterkommen zu können. Auf diese Erfahrung würde ich gerne verzichten, denn manche Menschen waren dann sehr verletzt, vor allen in den Anfängen und es wurden böse Sachen über uns gesagt. Das fällt uns nicht leicht, denn wir sind sehr harmoniesüchtig, vor allem ich!

Mit welcher Band / Künstler würdest du gerne (mit DH) einmal auftreten?
Ich würde gern mal was mit Skin von Skunk Anansie was tun und musikalisch finde ich Incubus auch sehr geil.

Welches war bisher dein Konzerthighlight? Was war das größte Live-Desaster?
(muss überlegen). Da gab es mehrere. Eines meiner schönsten Festivals war Highfield bei Erfurt. Wunderschön, vor allem eines davon, das war der Wahnsinn, das war unglaublich. Auf dieser Tour war das beste Konzert in Mainz. Das war Wahnisnn (Anmerkung: das war allerdings vor dem Gig im Jolly Joker in Braunschweig).
Und die Schlimmsten, mmmh…, da gab es ein paar. Das war einmal in Köln, das Ringfest, als nach uns Manowar spielten. Die Manowar Fans waren einfach Scheiße, intolerant, total doof, haben unsere Fans unterdrückt und uns nicht richtig spielen lassen. Das hat keinen Spaß gemacht.

Werdet ihr jemals wieder eine „Unplugged“-Tour machen oder war das eine einmalige Sache?
Ich hoffe nicht, dass das eine einmalige Aktion war. Würde ich sehr gerne wieder machen, aber in den nächsten paar Jahren wohl nicht. Aber irgendwann gerne mal wieder, das war eine der schönsten Touren, die wir je hatten.

Die letzten drei Alben habt ihr jeweils nach 1,5 Jahren herausgebracht. Danach die (endlosen) Touren dazu. Ist das euer Leben oder braucht ihr mittlerweile schon mehr Zeit für euch (musikalisch und privat)?
Die letzten 4 Jahre waren sehr anstrengend und deshalb haben wir gesagt, für die nächste Platte nehmen wir uns mehr Zeit, wie man sieht. Die wird voraussichtlich irgendwann im Sommer veröffentlicht, dann werden es 2 Jahre sein.
Das haben wir gebraucht, Zeit für uns, Zeit wieder den Kopf klar zu kriegen und nicht nur, wenn eine Platte gerade abklingt, gleich mit der nächsten wieder ins Studio zu gehen. Das war jetzt Absicht. Denn wir haben echt sehr sehr viel gemacht.

Was ist heute für dich anders als noch vor 4 Jahren?
Die Touren wurden immer besser und da rede ich jetzt nicht von Menschenzahlen oder Größe der Konzertsäle, sondern von der Qualität. Früher haben wir jeden Abend Pizza gekriegt, haben in Clubs gefroren und hatten die hässlichsten Backstageräume der Welt. Mittlerweile kriegen wir überall leckeres Essen, die Leute sind viel netter zu uns, wir haben viel mehr Hilfe, haben viel mehr Equipement auf der Tour, was natürlich vieles einfacher macht, wir haben viel mehr Leute, die für uns arbeiten. Das ist für uns jetzt alles viel relaxter. Das ist der Luxus, den wir uns erarbeitet haben Wir müssen kein Schlagzeug mehr aufbauen, müssen nicht mehr selbst von Konzert zu Konzert fahren. Das steigert auch die Qualität des Konzerts, weil wir einfach ausgeruhter sind als früher. Vor kurzem hat auch ein großer Musik-Manager von ein paar bekannten Bands aus Deutschland zu Ralph gesagt, dass das Musikerdasein aus nichts anderem bestehen sollte, als sich mehrere Stunden täglich seiner Musik zu widmen. Das ist auch der Weg, ich sag nicht, dass solche Erfahrungen schlecht sind, aber wenn mal soweit ist wie wir, dann schätzt man solche Dinge, wie ich dir vorher beschrieben habe. Je größer der Bekanntheitsgrad ist, desto mehr Arbeit und Verantwortung hat man in anderen Bereichen. Man muss mehr Interviews geben, die Leute erwarten immer mehr, dass die Konzerte immer besser werden, neue Aufbauten, immer etwas Neues. Wenn man die Möglichkeit hat und man kann sich besser auf ein Konzert vorbereiten, dann ist das wunderschön. Das ist wohl das, was sich in den letzten 4 Jahren am meisten verändert hat. Wie gesagt, vorher haben wir alles selber gemacht. Wir machen heute immer noch viele Sachen selber. Wir entwerfen unsere T-Shirts selber, machen unsere Homepage selber, eigentlich macht keiner was ohne uns zu fragen (Plattenfirma oder Management) (natürlich auch der Fanclub, Anmerkung der FC Leitung). Wir sind schon in allem sehr involviert. Das finden wir immer noch sehr wichtig.

Wann nerven dich die Jungs (aus der Band)?
Wenn die Jungs zu verwildert sind. Wenn sie etwas angetrunken sind und es dann nur noch über „die“ Weiber geht. Dann denke ich immer: „Tut mein Geschlecht nicht so behandeln als wäre es ein Produkt“.

Was magst du an den drei?
Das sie alle drei doch sehr motiviert sind. Thorsten ist der Workaholic der Band, jeder hat seine Aufgabe und die macht er voll und ganz. Jürgen schnippelt ständig an irgendwelche Beats herum, arbeitet Lieder um. Das ist sein Hauptbereich, das liebt er. Ralph macht die Grafiken und die Shirts. Jeder ist sehr pflichtbewusst und jedem ist es sehr wichtig, was wir machen. Das ist auch für die Band sehr wichtig. Wenn da einer nur halb bei der Sache wäre, das würde mich dann schon nerven. Aber da bin ich sehr stolz auf die drei. Jeder ist mit Leib und Seele dabei.

Wann nerven dich Fans?
Etwas Aktuelles, gestern musste ich bei einem Konzert schon sehr lachen, weil da ein 8-jähriges Mädchen war und jedes Mal, wenn sie jemand von der Band ansah, laut kreischen musste als wären wir die Backstreet Boys. Da habe ich gleich beim 1. Lied einen Lachanfall bekommen und ich konnte sie das ganze Lied nicht anschauen, weil ich so nicht singen konnte. Fans nerven mich, wenn sie zu stark auf Körperkontakt gehen. Wenn ich jemanden in den Arm nehmen will, dann mache ich das aus meinen freien Stücken. Dann gibt es Leute, die mir die Hand geben und mir sofort gleich Küsse auf die Wange drücken, das stört mich. Da gibt es Fans, wenn sie dreimal nach einem Autogramm gefragt und man mit ihnen dreimal kurz gesprochen hat, dann meinen sie unsere besten Freunde zu sein. Das macht es dann manchmal sehr schwierig, weil wir viele fremde Menschen treffen, sehr viele Fans sind fremde Menschen für uns und wir können auch nicht jeden kennen lernen, dafür ist die Zeit auch nicht da und es ist manchmal auch sehr anstrengend. Wie gesagt, wir machen die Musik für die Fans, wir leben von den Fans, aber wenn jemand meint, mich abknutschen zu müssen und sagt: „Warum hast du nicht angerufen, ich habe dir eine E-Mail geschrieben und du schreibst nicht zurück, ich bin dir egal,…“ Also wenn dich Fans unter Druck setzen, das mag ich nicht. Wenn Fans durch unnette Weise meinen, wenn ich frech bin, gewinne ich. Es kommen immer wieder Fans durch eine skurrile Weise in den Backstagebereich. Wenn sie nett sind und sich entschuldigen und höflich fragen, ob sie mit mir ein Foto machen können, dann ist auch alles ok. Aber manche Leute sehen einfach nicht das Ende. Manche begleiten dich fast in dein Busbett, das ist dann unangenehm und man freut sich dann nicht diese Menschen wieder zu sehen.

Welche Themen beschäftigen dich (momentan). Welche davon würdest du gerne mal in einem deiner nächsten Songs einbauen?
Das große Thema, mit dem ich mich immer befasse, ist Menschen und ihr Charakter. Man ist so ein bisschen wie ein Nachrichtensprecher. Wenn du Nachrichten anschaust, dann kommen meist die negativen Sachen, die positiven Sachen sind meistens klar. Natürlich verarbeite ich das oft in Geschichten, die ich höre oder selber erlebe einfach über arrogante Menschen.

Hast du ein Lied auf das du jetzt ganz besonders stolz darauf bist?
(lacht) ja, viele!!! Da fällt mir spontan „Good Friends“ ein, das vereint sehr viele Fragen, die du mir gestellt hast. Mannequin ist über das Musikbuisness, die versuchen, junge Mädchen als Sexsymbole hinzustellen, wie zum Beispiel die arme Jeanette Biedermann, die glaube ich nicht weiß, was sie da tut und deren Manager sie als Mannequin behandelt. Eine Puppe, die man anzieht, der man sagt, du musst das und das tun und du musst dich betrinken, weil es cool ist.
Ich will Janette Biedermann gar nicht verurteilen, sie arbeitet auch hart, sie macht viel, ist fast überall. Es ist kein Leckerschlecken, deshalb ist sie auch vor kurzem kollabiert. Ich mag nur die Figur selbst nicht, das hat nichts mit ihr persönlich zu tun. Das passt einfach gut zu „Mannequin“.

Wie prägst du den Stil der Band? Was steht bei einem Song zuerst? (Melodie oder Text)?
Ich präge den Stil durch meine Texte. Zuerst steht die Musik und dann gehen wir an die Gesangslinien. Entweder kommt sie gleich oder etwas später. Dann sind manchmal schon irgendwelche Wörter, die das ganze Lied dann prägen. Manchmal schreibe ich auch Texte ohne eine Melodie im Kopf zu haben und wenn das dann zu einer Melodie gut passt und zu dem Gefühl des Songs, dann schreibe ich es um, so dass es passt.

Was erwartet uns auf dem neuen Album? Stil, Texte?
Das kann man noch nicht sagen. Aber ich hatte noch nie so viele Texte fertig in solch einer Phase, normalerweise bin ich eher der Spättextschreiber.

Viele wünschen sich, dass die Platte wieder in Richtung Supersonic Speed geht. Was meinst du dazu?
Ich finde das gar nicht schlecht, wenn man im Nachhinein die ganzen Platten hört, dann hebt sich die erste Platte doch ein wenig von den anderen ab, sie ist viel rauer. Dazu muss man aber auch sagen, dass da Lieder darauf waren, die teilweise schon 4 Jahre alt waren. Diese Platte hatte sehr viel Zeit, um zu reifen. Was man von der 2. Platte nicht unbedingt sagen kann, weil wir damals von einer mehrwöchigen Tour ins Studio gingen, die Platte aufnahmen und dann gleich wieder auf Tour gingen und da hat man sich nach mehr Ruhe gesehnt. Die dritte ist dann doch wieder ganz anders geworden als die zweite. Bei uns kann man es an den Platten ablesen, wie es uns geht, als wir die Platte aufgenommen haben. Ich bin mal gespannt wie die vierte wird. Wir hatten bisher immer viel Rockstücke zur Auswahl, aber es kommt immer auf die Auswahl an, die Besten kommen dann halt auf die Platte.

Was wünschst du dir vom Fanclub und den Fans?
Ich wünsche mir für die Leute, die im Fanclub sind, die quasi ihre Seele Die Happy verschrieben haben, schon an mehr Sachen herankommen, als ganz normale Fans. Ich meine, deswegen ist ein Fanclub da und das die Leute mit der Wahl glücklich sind, da eingetreten zu sein. Toll fand ich zum Beispiel die erste Fanparty in Stuttgart, über die heutige (in Braunschweig) kann ich noch nichts sagen, weil die noch vor uns liegt. In Stuttgart waren Leute, die nicht aufdringlich waren und das fand ich super. Ich saß auf dem Billardtisch und um mich rum alle möglichen Fans und das war total witzig und ich hatte Lust zu plaudern.
Da war keiner dabei, die sich dir um den Hals werfen, dich versuchen abzuknutschen oder anzufassen. Das fand ich sehr schön und relaxt und ich hoffe, dass das auch heute so ist. Einmal war ich auch auf einer Party nach einem Konzert und da waren auch viele Fans. Ich habe es leider nicht geschafft, allen „Hallo“ zu sagen und wenn jetzt da jemand in der Ecke sitzt, kann ich nicht sagen: „Seid ihr jetzt da wegen uns, gehört ihr zum Haus?“. Und da war einer mal sehr sauer mit mir und hat mir eine E-Mail geschrieben und er würde nie mehr auf ein Die Happy Konzert gehen, weil ich ihn übersehen habe. Das fand ich dann ungerecht. In einem solchen Backstageraum sind Freunde und Bekannte der Band, dann Leute vom Catering-Service, Leute vom Club, Security, Stagehands und da kann ich nicht auf jeden zugehen, zumal ich nicht weiß, ob er wegen uns da ist oder vielleicht nur auf eine Freundin wartet.

Marta

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